Die Frage, die sich mir heutzutage stellt, wenn es um Politiker und deren Charakter geht, ist: Warum sind sie heute nicht mehr glaubwürdig, ehrlich, zielstrebig und präzise ??
Es hat möglicherweise etwas mit der heutigen politischen Moral zu tun, die sich immer nur um Wahlen und nicht mehr um Themen dreht. Möglicherweise auch mit der extrem gestiegenen medialen Aufmerksamkeit zu tun. Wie dem auch sei, es gibt sie noch, die alten weisen Herren, welche sich noch als Idol eignen. Einer davon ist Helmut Schmidt. Eine weitere Frage steht nun im Raum; warum gerade einen früher umstrittenen Politiker als politisches Vorbild zu nehmen.
Diese Antwort kann man wiederum ganz leicht beantworten. Zum einen ist Schmidt ein sehr ehrlicher Mensch, der laut eigener Aussage, mit Kritik gut umgehen kann und diese auch sehr schätzt. Des weiteren hat er, und wahrscheinlich auch seine politischen Kollegen aus dieser Zeit, immer die eigene Authentizität bewahrt. Im Gegensatz zu einer Angela Merkel, die ihre Fahne nur in den politischen Wind des Tagesgeschäfts hängt, hat er Meinungen, denen er treu geblieben ist, bis zum heutigen Tag. Dies mag möglicherweise daran liegen, dass er in einer anderen politischen Sphäre und Weltordnung aufgewachsen ist, die es heutzutage gar nicht mehr gibt. Einige Charakterzüge, die er vertritt kann ich mir nur demütig als Vorbild nehmen. Er liest laut eigener Aussage täglich eine handvoll deutsche und internationale Zeitungen um sich täglich weiterzubilden. Außerdem vertritt Schmidt die Ansicht, dass man sein Leben lang lernen soll und auch muss. Dies geht laut seiner Aussage nur durch stätige Bildung, die eigentlich jedermanns Ziel sein sollte, der sich mit Politik beschäftigt.
Seine Sichtweisen zu einigen Themen sind vorbildlich. Beispielsweise ist unser Ex-Bundeskanzler der Meinung, dass man nicht die Angst der Medien vor terroristischen Anschlägen teilen sollte. Sein Wissen, nicht nur in welt- und innenpolitischen Ansichten ist erstaunlich. Außerdem hat er eine bemerkenswerte Art, komplexe Dinge in einfacher und vor allem kurzer und prägnanter Weise darzulegen. Eine bemerkenswerte Kunst, die heutige Politiker aus meiner Sicht nicht mehr verfügen. Auch die Tatsache, dass er den sogenannten Schlüsselloch-Journalismus ablehnt, indem er Privates und Öffentliches trennt, ist eine gut Eigenschaft eines Politikers. Ihm geht es um Fakten und nicht um persönliche Liaison mit der Presse. Die Artikel, die er auch im hohen Alter für die Zeit verfasst sind geprägt von der würzigen und prägnanten Art eines Wolf Schneiders. Erst so konnten die Kurzinterviews mit ihm und Giovanni di Lorenzo in der Zeit zustandekommen. Ich kann jedem diese sogenannten "Zigarettengespräche", als eine neue Art des Interviews nur ans Herz legen. Sie geben eine prägnanten und kurzweilige Sicht Schmidts auf sein Leben und seine Ansichten sehr klar und interessant wieder. Alles Gute Helmut Schmidt für die hoffentlich noch vielen weiteren Jahre des Schreibens, Kommentierens und Reflektierens des aktuellen politischen Weltgeschehens.

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