Samstag, 8. Oktober 2011
You Paradiso
Schritt um Schritt betreten sie die Bühne, langsam und zaghaft - klick, klick, klick - alle fallen sie um... Und werden kurze Zeit später von eindringlicher Musik geweckt. Sie, dass sind die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles YOUPARA|DISO und die Musik ist eine exotische Mischung aus spiritueller New Age Musik und einem Hauch von Kraftwerk.
Ballet, eine Kunst, die mir bis jetzt verwehrt bliebt, da ich nicht in den Genuss kommen konnte und wahrscheinlich auch gar nicht wollte. Durch ein unangenehmes Missgeschick, und aus der Situation das Beste machend, schlich ich mich in die beschriebene Vorstellung. Ich verpasste zwar die erste Hälfte, dafür sparte ich 30€. Nach diesem furiosen Auftakt konnte man die Erwartungshaltung des Publikums förmlich spüren. Eine Gruppe aus sechs Personen performte in einem zwischen anmutig langsamen und aggressiv schnellen Rahmen. Als unerfahrener Zuschauer ohne jegliche Vorkenntnis bezüglich des Ballets kam ich mir durchaus deplaziert vor. Trotzdem faszinierte mich der Dualismus zwischen schön und häßlich, langsam und schnell, gleichmäßig und asynchron. Besonders beeindruckend war sicherlich die Faszination für die Körperbeherrschung der einzelnen Artisten, ebenso wie die Schönheit der Bewegungen. Sicherlich wären diese noch besser zur Geltung gekommen, wenn die Musik entsprechend meines klassischen Geschmacks wäre, aber trotzdem war es sicherlich beeindruckend. Gerade diese Unklarheit über die Abfolge und die Unwissenheit ob die Musik die Menschen beherrscht und zur unablässigen Bewegung zwingt. Oder ob der Mensch sich in der Sphäre der Töne bewegen möchte. Sicherlich wollen aber die Artisten gerade diese Tatsache, die Unschlüssigkeit der Machtverhältnisse, mit dem Stück ausdrücken. Besonders der Name gibt die zwei Seiten der Medaille sehr gut wieder; PARA|DISO - ein abnormales Paradies. Ebenso ein wunderbares Paradies, was die Abscheulichkeit braucht um so wunderbar zu sein. Energie spielte im PARA|DISO eine zentrale Rolle. Der erste Ballettänzer machte die Bewegung vor und gab diese Energie der Bewegung an die restlliche Gruppe weiter. Unklar war außerdem, ob nun die Darzustellenden eine Einheit, geführt von einem wechselnden Individuum sind, oder ob jeder für sich steht. Dies machte besonders bei gewissen musikalischen Pausen den Eindruck, bei denen nur eine Person sich zur Musik bewegte.
Ob der gewaltige Applaus am Ende nun gerechtfertigt war oder nicht, möchte ich Experten überlassen. Auf jeden Fall sind es sollte Veranstaltungen, die den kulturellen Horizont erweitern.
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